City in the City - Architektur für Genuss und Genesung
Eine Kunsthalle und ein Krankenhaus – zwei Gebäudetypologien, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Und doch verbindet die Kunsthalle in Mannheim etwas mit dem Erasmus MC Rotterdam: KUNST und das Konzept einer „CITY IN THE CITY“.
Beide Gebäude schaffen urbane Räume im Inneren – mit Wegen, Plätzen, mit Menschen in Bewegung und viel Tageslicht. Und in beiden spielen Kunstobjekte im (halb-)öffentlichen Raum eine wichtige Rolle. Orte, die gleichzeitig funktional und atmosphärisch sind.
Doch wie viele Beispiele kennen wir, in denen sich architektonische Konzepte für den (Kultur-)Genuss und für die Genesung so unmittelbar überschneiden?
Die Kunsthalle in Mannheim, entworfen von gmp Architekten, verfolgt den Ansatz, das Leben der Stadt Mannheim, die von ihren “Quadraten” geprägt ist, in den Museumsbau zu übersetzen. Zwischen den einzelnen Kuben gibt es Plätze, Wege, Sonnenlicht und Durchblicke, auch über die Geschosse hinweg. Die Atmosphäre soll flirren von den Menschen, die sich dort bewegen, die Räume leben von Bewegung und Interaktion.
Und dieses “City in the City”-Konzept findet sich auch im Krankenhaus Erasmus MC in Rotterdam wieder: Plätze, Promenaden, Sonnenlicht. Die Geschäfte und Infoboxen an den Seiten der Promenade rahmen die Magistrale wie eine Fußgängerzone oder eine Mall. Das hohe Dach mit den markanten Stahlträgern lässt viel Sonnenlicht in den zentralen Bereich, die Glaswände an einer Seite ermöglichen den Blick ins Parkdeck und stärken somit den Charakter einer urbanen Szene. Die Magistrale verbindet alte und neue Gebäudeteile organisch miteinander, dazwischen gibt es begrünte Innenhöfe, die wie Gewächshäuser in botanischen Gärten anmuten.
Auch wenn der Stellenwert der Kunst unterschiedlich gewichtet ist, greifen in beiden Projekten Kunst und Architektur ineinander - als Teil eines normalisierenden, urban geprägtem Lebensgefühls.
Ich wünsche mir mehr Krankenhäuser, die mit den Mitteln der Ästhetik Normalität vermitteln und dabei auch Kunst als Teil des Konzepts beinhalten.
… Add-On: Erkenntnisse für die Forschung
Neben der räumlichen Qualität liefert insbesondere die Forschung wertvolle Erkenntnisse: Neben der Architektur des Erasmus MC (thanks Leonie Grootveld) hat besonders der Forschungsfundus von Liesbeth van Heel auf die Nutzung des Gebäudes beeindruckt. Mit ihren Studien hat sie gezeigt, wie viele Fragen man an ein Gebäude im Betrieb stellen kann und warum ein Haus wie dieses eine regelrechte „urbane Schatzkiste“ für Gebäude-Evaluationen ist.
Ownership zählt – die Leistungsphase 0 dient nicht nur dazu, die Perspektive der Nutzer einzuholen. Sie stärkt auch die spätere Identifikation mit dem Gebäude
100 % Einbettzimmer funktionieren sogar besser als erwartet – Studienlage und Erfahrungen aus Patienten-, Personal- und Betreibersicht sind vielfältig und eindeutig
Post Occupancy Evaluations (POE) sind enorm wertvoll, weil wir aus real genutzten Gebäuden lernen und dieses Wissen direkt in neue Projekte einbringen können
Der Besuch fand im Rahmen des Projekts „Beyond Expediency" statt, in dem an der Technische Hochschule Lübeck derzeit ein Planungs- und Qualitätskompass für die Gestaltung der Krankenhausinfrastruktur entwickelt wird.